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Sonntag, 10. April 2011

Fridolin / Charakterisierung ("Traumnovelle" von Arthur Schnitzler) / Wer ist Fridolin?

Fridolin und Albertine sind die Protagonisten in Arthur Schnitzlers “Traumnovelle” (1926). Im Folgenden werde ich näher auf den Charakter und die Persönlichkeitsstruktur Fridolins eingehen.


Allgemeines zu Fridolin

Fridolin ist 35 Jahre alt (vgl. S.24, Z.17) und praktizierender Arzt, der Hausbesuche durchführt (vgl. S.8, Z.29f.) und im Krankenhaus tätig ist. In eigener Praxis arbeitet er engagiert; er ist stolz auf das, was er erreicht hat: Seine Familie, sein Haus und seine eigene Praxis. Er trägt Pelz und genießt eine wohlbetuchte Stellung, so kann er sich zum Beispiel ein Hausmädchen oder Urlaub leisten.


Beziehung Fridolin - Albertine und Fridolins Eigenschaften

Mit Albertine führt Fridolin eine glückliche, scheinbar ungetrübte Ehe mit Kind. Er ist das patriarchalische Familienoberhaupt, das sich im Umgang mit seiner Frau gemäß der alten Rollenverteilung verhält, und das sich durch seine pflichtbewusste Denkweise auszeichnet (vgl. S.15, Z.10). Auf Albertines Geständnisse reagiert er heftig mit harter Stimme (vgl. S.13, Z.3), Zweifel und Unmut (vgl. S.13, Z.35; S.14, Z.23), und dem indirekten Vorwurf der Unwahrheit und des Verrats (vgl. S.13, Z.26). Gewöhnlich ist Fridolin jedoch ein liebevoller Mensch und Vater, was zum Beispiel der Umgang mit seiner Tochter zeigt.




Die Tatsache, dass “er sich dem vortrefflichen Doktor Roediger gegenüber als der Geringere vor[kommt]” (S.19, Z.7-9), weist auf einen möglichen Minderwertigkeitskomplex Fridolins hin.
Durch seine sprunghafte Art und Weise, die Nacht zu erleben und Damen kennenzulernen, vor allem durch Ersteres, wird Fridolins innere Unruhe und Unsicherheit deutlich.
Weiterhin kann man ihn als oftmals eifersüchtig, emotional und mitfühlend beschreiben (vgl. S.10, Z.38; S.12, Z.27; S.17, Z.5-7).
Er ist als lüsterner Mensch darauf aus, seinen Wunsch nach Auslebung seiner Triebe zu erfüllen, doch gelingt es ihm nicht; zumindest nicht zu dem Maße, zu welchem es Albertine durch ihren Traum gelingt, ihre Abenteuer zu erleben, denn sein Handeln ist durch Misserfolge gekennzeichnet. Schließlich gelingt es ihm nicht, sich einer der Frauen, die ihm begegnen, wirklich näher zu kommen.




Sowohl bei Fridolin als auch bei Albertine äußert sich ein Rachebedürfnis, bei Fridolin gegen Albertine und den Dänen, bei Albertine gegen Fridolin im Traum wegen seiner Jünglingserlebnisse. Die Rache gedenkt er durch Untreue zu üben. Die Ehe läuft Gefahr, aufgrund der Entfremdung der Protagonisten, und zwar dadurch, dass sie sich zu anderen Personen hingezogen fühlen, zu zerbrechen und zu scheitern.


Mehr zu Fridolin findet ihr HIER.


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Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe

EinFach Deutsch
Arthur Schnitzler: Traumnovelle
(Gymnasiale Oberstufe)
Schöningh-Verlag

ISBN 978-3-14-022459-8

Montag, 4. April 2011

Über Herders "Abhandlung über den Ursprung der Sprache" / kurze Zusammenfassung

Hier für Euch eine kurze und einfach zu verstehende Zusammenfassung:

In seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ (veröffentlicht 1772) setzt sich der deutsche Dichter, Theologe und Philosoph Johann Gottfried Herder mit der Entstehung des menschlichen Sprechens auseinander.
Er beschäftigt sich in seiner Arbeit unter anderem mit zwei Sprachentstehungstheorien seiner Zeit, zum einen der Süßmilchs und zum anderen der Condillacs. Süßmilch ist von einem göttlichen Ursprung der Sprache überzeugt, da er davon ausgeht, dass der unvollkommene Mensch nicht dazu imstande gewesen sein kann, etwas derart Komplexes wie die Sprache zu entwickeln; der Mensch muss die von Gott erfundene Sprache stattdessen im göttlichen Unterricht erlernt haben. Herder schließt sich zunächst der These Condillacs an, der einen tierischen Ursprung der Sprache behauptet. Grund dafür sind für Herder die offenbar erstaunlichen Gemeinsamkeiten von Tieren und Menschen und ihr gemeinsamer Drang nach schallender Äußerung. So schreibt Herder in seiner Schrift „Kalligone“ später, dass jeder Schall „ein Inneres ausdrückt“.

Die Ursache dafür, dass sich Herder der These Süßmilchs nicht anschließen kann, sieht Herder in einer für ihn unlogischen Behauptung Süßmilchs. Wenn der Mensch durch seine Unvollkommenheit nicht in der Lage gewesen sein sollte, die Sprache zu erfinden, wie sollte er dann dazu fähig gewesen sein, diese Sprache im Unterricht zu erlernen, da schließlich die Sprache laut Süßmilch erst die Vernunft erweckt und ausbildet.Wie wäre der Mensch also ohne Sprache und damit ohne Vernunft eines göttlichen Unterrichts fähig gewesen? Für Herder ist die Entstehung der Sprache sttattdessen aus eigenen Mitteln der Menschen geschehen.



Er distanziert sich nun auch von Condillacs These, denn Herder sieht im menschlichen Verstand, der den Tieren fehlt, den zündenden Funken zur Entstehung der Sprache. Für Herder ist die menschliche Sprache mehr als das Zusammenwirken willkürlicher Schälle der Empfindung, wie es bei Tieren der Fall ist, woraus Herder schließt, dass die Sprache kaum einen tierischen Ursprung haben kann.
Er vergleicht die Größe der Wirkungskreise der Tiere und der Menschen und stellt fest, dass die kleine tierische Sphäre die Sprache unnötig macht. Dafür verfügen Tiere über einen stärkeren und sichereren Instinkt als Menschen; ihre Sinne sind schärfer, ihre Kunstwerke wunderbarer und einartiger (von gleichem Bau und gleicher Struktur, von derselben Art). Die Tiersprache entspricht nicht der Menschensprache, da selbst das am vielfachsten tönende Tier in einem Wirkungskreis, der einem eines Menschen entspräche, mit seiner Tiersprache nicht bestehen könnte. In seinem Lebensraum wird das Tier durch seine Instinkte geleitet. Menschengattung und Tiergattung unterscheiden sich laut Herder nicht in der Mannigfaltigkeit bestimmter Eigenschaften, sondern in ihrer von Grund auf unterschiedlichen Art. Beim Menschen ist gemäß Herders Aussage alles im Missverhältnis. Der Mensch verfügt über eher schwache Sinne, dafür aber vielfältige Bedürfnisse, geringe Kräfte, dafür einen umso größeren Wirkungskreis, in dem sich der Mensch zu behaupten weiß, eingeschränkte Organe und eine uneingeschränkte Sprachfähigkeit. Laut Herder benötigt der Mensch die Sprache als ein Ausgleich für den Mangel des Instinks.

Obendrein ist der Mensch durch seine Besonnenheit gekennzeichnet, durch die Fähigkeit zur Reflexion, die ihn zum einen vom Tier unterscheidet und zum anderen zu dem Erfinder der Sprache macht. Die Erfindung der Sprache aus eigenen Mitteln des Menschen ist nicht künstlich, stattdessen ist sie ebenso natürlich, wie der Mensch natürlich ist.




Herders Argumentation steht ganz im Zeichen der Tradition des Rationalismus und der Aufklärung und durchläuft verschiedene Stadien, die ihn zunächst zu Condillacs Sprachtheorie führt, die er später zu revidieren versteht, während er von Beginn an von der Unwahrheit Süßmilchs Theorie überzeugt zu sein scheint. Aus der Theorie Condillacs entsteht letztlich Herders eigene Sprachtheorie, die weder von einem göttlichen noch von einem tierischen Ursprung der Sprache ausgeht, sondern von der Spracherfindung durch den Menschen selbst.

Freitag, 1. April 2011

Joseph von Eichendorff: "Nachtzauber", Interpretation und Analyse

Nachtzauber

1  Hörst du nicht die Quellen gehen
2  Zwischen Stein und Blumen weit
3  Nach den stillen Waldesseen,
4  Wo die Marmorbilder stehen
5  In der schönen Einsamkeit?
6  Von den Bergen sacht hernieder,
7  Weckend die uralten Lieder,
8  Steigt die wunderbare Nacht,
9  Und die Gründe glänzen wieder,
10 Wie du's oft im Traum gedacht.

11 Kennst die Blume du, entsprossen
12 In dem mondbeglänzten Grund?
13 Aus der Knospe, halb erschlossen,
14 Junge Glieder blühend sprossen,
15 Weiße Arme, roter Mund,
16 Und die Nachtigallen schlagen,
17 Und rings hebt es an zu klagen,
18 Ach, vor Liebe todeswund,
19 Von versunknen schönen Tagen –
20 Komm, o komm zum stillen Grund!


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Bei dem vorliegenden Gedicht "Nachtzauber" (1853) von Joseph von Eichendorff handelt es sich um ein Gedicht der Epoche der Romantik. Es beschreibt die Natur und ihre Schönheit bei Nacht sowie Liebeskummer des lyrischen Ichs.

Das Gedicht ist in zwei Strophen eingeteilt. In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich Empfindungen, die es in der nächtlichen Nacht wahrnimmt. Es berichtet von Quellen, Seen, Bergen und dem glänzenden Untergrund. In der zweiten Strophe erinnert sich das lyrische Ich an eine wachsende Pflanze, dann kommt es wieder auf das Leben in der Nacht zurück und äußert zum Schluss Liebeskummer und die Sehnsucht nach vergangenen Tagen.

Das vorliegende Gedicht "Nachtzauber" ist in zwei Strophen gegliedert, von denen jede zehn Strophen enthält. Das Reimschema lautet abaabccdcd efeefgghgh, es liegt also eine unregelmäßig wirkende Reimart vor, so lassen sich Paarreime (aa, cc), ein Kreuzreim (cdcd) sowie ein umarmender Reim (baab) finden. Die Verse enden sowohl auf männliche Kadenzen (vgl. V. 2, 5, 8, 10, 12, 15, 18, 20) als auch auf weibliche (vgl. V. 1, 3, 4, 6, 7, 9, 11, 13, 14, 16, 17, 19). Als Metrum liegt ein vierhebiger Trochäus vor. Das Gedicht ist im Hakenstil verfasst; sein Tempus ist Präsens, mit Ausnahme von Vers 10, der im Perfekt steht.
Es lassen sich zahlreiche Motive finden, die sich durch das Gedicht "Nachtzauber" ziehen: Zum einen die Sehnsucht nach Liebe und Ferne, zum anderen spielen auch die Nacht, eine Traumwelt sowie die Mystik eine wichtige Rolle. Auffällig sind viele Stilmittel, auf die ich in der folgenden Interpretation genauer eingehen werde.


In dem Gedicht "Nachtzauber" nimmt der Liebeskummer des lyrischen Ichs eine zentrale Rolle ein. Das Gedicht beginnt damit, dass das lyrische Ich die Schönheit der Natur beschreibt. Das lyrische Ich beschreibt die Situation in der Nacht als sehr positiv. Zwar ist es einsam, dennoch ist dies für das lyrische Ich eine "schöne[n] Einsamkeit" (V. 5). Die Nacht bezeichnet  das lyrische Ich sogar als "wunderbar" (V. 8). Erst in dem letzten Vers der ersten Strophe wird deutlich, dass es sich bei der vorher beschriebenen Situation um einen Traum handelt. Zwar stellt sich das lyrische Ich wahrscheinlich genau so die Nacht vor, dennoch sagt es: "Wie du's oft im Traum gedacht" (V. 10). Die beschriebene Schönheit der Natur bezieht sich also auf einen Traum oder eine Wunschvorstellung eines Menschen, der dem lyrischen Ich sehr nahe stand. Es handelt sich wahrscheinlich um die Trennung des lyrischen Ichs von eben diesem geliebten Menschen. Dass die Liebe zwischen ihnen nun vorbei ist, wird daran deutlich, dass dieser Vers als einziger Vers im Gedicht im Perfekt geschrieben ist. Dieser vorübergehende Tempuswechsel deutet die vergangene Liebe an und leitet auf die zweite Strophe über.
In dieser erinnert sich das lyrische Ich an die Liebe, die, wie eine Blume herangewachsen ist. "Weiße Arme, roter Mund" (V. 15) beschreibt eigentlich diese Blume, aus der "junge Glieder" (V. 14) sprießen, es kann aber auch als Metapher für den geliebten Menschen gesehen werden und sich dabei auf das weibliche Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts beziehen.
Nach dieser Erinnerung an die vergangene Liebe ändert sich nun die Stimmung im Gedicht. Hat das lyrische Ich soeben noch alles positiv empfunden, zwar mit einer gewissen Sehnsucht an vergangene Tage, wird es nun von Liebeskummer ergriffen. Es beschreibt das Gefühl als "vor Liebe todwund" (V. 18). obwohl sich das lyrische Ich die geliebte Person sehnlichst "zum stillen Grund" (V. 20) herbeisehnt, sieht es ein, dass die schönen Tage "versunken" (vgl. V. 19) sind und es eigentlich unmöglich ist, dass die geliebte Person wieder zu dem lyrischen Ich findet.

Diese Sehnsucht nach Liebe, in diesem Fall die vergangene Liebe, ist ein Motiv, das das gesamte Gedicht prägt. Aber es lassen sich weitere Motive finden. Zum Beispiel sei an dieser Stelle die Sehnsucht nach Ferne zu nennen. Zwar sehnt sich das lyrische Ich in die Nähe des geliebten Menschen, doch ist dieser für ihn unerreichbar geworden. Das Motiv der Sehnsucht nach Ferne wird in den Versen sechs und sieben deutlich, wenn "von den Bergen sacht hernieder, / Weckend die uralten Lieder" (V. 5f.) klingen. Mit den Liedern könnte die Stimme der Geliebten gemeint sein, die zwar weit weg ist, aber an die sich das lyrische Ich gut erinnern kann.
Desweiteren kommt in dem Gedicht "Nachtzauber" eine Traum- oder Phantasiewelt vor. In dieser anderen Welt hält sich das lyrische Ich lieber auf, als in der realen. Dies zeigt, wie sehr es sich von der Geliebten angezogen fühlt. In der Phantasiewelt, die der ehemaligen Liebessituation entspricht, ist das lyrische Ich seiner Liebe näher. Eng verbunden mit dieser Traumwelt ist die Mystik in der Nacht, die positiv wie auch negativ aufgefasst werden kann.

Neben den Motiven finden auch zahlreiche Stilmittel Verwendung.

Das Gedicht beginnt mit einer rhetorischen Frage seitens des lyrischen Ichs, die es dem "Du" stellt. Zu Beginn des Gedichts ist seinem Leser die Situation des lyrischen Ichs noch nicht klar. Deswegen fühlt sich der Leser direkt angesprochen. Dies hilft ihm, in das Gedicht hineinzufinden.

Auffällig ist die Alliteration "Gründe glänzen" (V. 9). Dieses Stilmittel unterstreicht die Schönheit der Natur. Dem "Grund" (vgl. V. 9) kommt aber auch noch eine weitere Bedeutung zu: Mit den glänzenden Gründen endet die Beschreibung des Traums. Mit dem Traum wurde das Gedicht begonnen und er stellt einen wichtigen Teil des Gedichts dar. Was nun auffällt ist, dass das Gedicht mit dem Wort "Grund" (V. 20) abschließt. Zwar tritt das Wort Grund auch in der Mitte des Gedichts in Erscheinung (vgl. V. 12), dennoch verbindet es Anfang und Ende des Gedichts und spannt zwischen ihnen einen Bogen. Vergleicht man überdies die Bedeutung von "Quellen" (V. 1) und "stiller Grund" (vgl. V. 20) so lässt sich der Ablauf des Lebens erkennen, von der Geburt bis zum Tod.

Wie bereits erwähnt, findet ab Vers 16 eine Stimmungsänderung statt. Von den positiven Erinnerungen des lyrischen Ichs an die Geliebte, kommt es nun auf die negative Realität zurück und wird auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieser Wechsel von positiver zu negativer Stimmung im Gedicht wird durch die Anapher "Und die Nachtigallen schlagen, / Und rings hebt es an zu klagen" (V.  16f.) verdeutlicht. Zuvor war stille Nacht in dem Traum, dies ändert sich, indem die Nachtigall, der einzige nächtliche Singvogel, zu schlagen beginnt und den Stimmungswechsel einläutet.

Da das Gedicht im Hakenstil verfasst worden ist, lassen sich viele Enjambements finden. Die Zeilensprünge sorgen für eine gewisse Dynamik, der die eher ruhige Wirkung des Trochäus entgegensteht. Das unregelmäßige Reimschema sorgt ebenso für Dynamik. Dabei wird die Nacht als "still[en]" (V. 3, 20) dargestellt. Für mich deutet die Dynamik auf eine möglicherweise schnell vergangene Liebe hin, wobei ich an dieser Stelle nicht überinterpretieren möchte.

In dem Gedicht "Nachtzauber" spielt, wie bereits gesagt, die Natur eine zentrale Rolle. Es ist auffällig, wie viele Begriffe aus dem Wortfeld "Natur" Verwendung finden. Da das Gedicht nach dem ersten Lesen vorwiegend von der Natur handelt, ordne ich das Gedicht der Gattung der Naturlyrik zu.

Der Titel "Nachtzauber" verbindet zwei Bereiche, die das Gedicht prägen: Die Nacht und die Mystik. Mystik ist ein von Eichendorff gerne verwendetes Element seiner romantischen Gedichte. Ich würde sagen, dass der Titel sehr gut zu dem Gedicht passt. Die Natur und der Zauber werden in dem Gedicht benutzt, um den Liebeskummer des lyrischen Ichs angemessen darstellen zu können. So denkt der Leser erst nicht an den Liebeskummer, also den eigentlichen Inhalt des Gedichts, sondern stellt sich die Natur vor. Ihm fällt erst später das eigentlich Wichtige in dem Gedicht, der Liebeskummer des lyrischen Ichs, auf.
Dennoch bin ich der Ansicht, dass das Gedicht voll und ganz seinem Titel gerecht wird.



Bei dem vorliegenden Gedicht "Nachtzauber" handelt es sich zweifelsfrei um ein Gedicht der Epoche der Romantik. Zum einen, da es von Joseph von Eichendorff geschrieben worden ist, einem der bedeutendsten Dichter der Romantik. Zum anderen lässt sich auch am Gedicht selbst festmachen, dass es sich um ein Gedicht der Romantik handelt. Auffällig ist vor allem der Naturbezug sowie die Sehnsucht nach Ferne und Liebe. Ein weiteres typisches Merkmal romantischer Gedichte ist die Flucht aus der Realität in eine Traumwelt. Dies wird in diesem Gedicht ganz besonders deutlich: Das lyrische Ich träumt von vergangener Zeit und der vergangenen Liebe und verspürt außerhalb der Traumwelt in der Realität Liebeskummer. Diese Flucht aus der Realität in eine Phantasiewelt kommt aber nicht von ungefähr. Sie ist eine Reaktion der Romantiker auf das Leid der Napoleonischen Kriege und der Französischen Revolution, aber auch auf die Industrialisierung und die damit verbundene Zerstörung der Natur und die Trennung von Familien. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass es sich bei dem Gedicht "Nachtzauber" um ein Gedicht der Romantik handelt.



Abschließend kann man sagen, dass sich somit meine Deutungshypothese, dass "Nachtzauber" ein romantisches Gedicht ist, bestätigt hat. Das lyrische Ich empfindet Liebeskummer und flüchtet sich in eine Traumwelt, die aus Erinnerungen an die Geliebten besteht.
Mir gefällt das Gedicht sehr gut. Es lässt sich sehr gut lesen und ist auch vom Inhalt her ansprechend. Besonders gut gefällt mir, dass dem Leser zunächst das Wichtigste im Gedicht, der Liebeskummer, verborgen bleibt, und der Leser erst nach und nach darauf gebracht wird.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Franz Woyzeck / Charakterisierung (Drama "Woyzeck" von Georg Büchner)

Franz Woyzeck ist Protagonist in Georg Büchners Drama „Woyzeck“. Der Mann ist Soldat und von niedrigem gesellschaftlichen Stand („Wir gemeine[n] Leut“, S. 17). Er verdient nur wenig Geld, um seine Familie, also Marie, seinen unehelichen Sohn Christian und sich selbst, versorgen zu können, weshalb er – neben seinem Dienst als Soldat – andere Möglichkeiten nutzen muss, um Geld zu verdienen. So unterzieht er sich Experimenten des Doktors, der Woyzeck eine Erbsendiät verordnet, für deren Durchführung Woyzeck Geld erhält.

Die Tatsache, dass Woyzeck selten in der Lage ist, seinen eigenen Willen durchzusetzen, treibt ihn schnell in die Abhängigkeit vom Hauptmann, der ihn verhöhnend behandelt (vgl. S. 16), und vom Doktor, der Woyzeck als Versuchsobjekt missbraucht.

Woyzeck zeigt paranoide Züge (vgl. Szene 1), leidet unter einer Psychose (vgl. Szene 14) und hört Stimmen, die ihm auftragen, Marie umzubringen (vgl. S. 28). Er gilt als hektisch („Ha Woyzeck, was hetzt er sich so an mir vorbei“, S. 22) und wirkt nervös; letzteres vor allem dann, als er Maries Untreue ahnt und sie zusammen mit dem Tambourmajor überführen will (vgl. Szene 11) oder er nachts aufgrund der ihn belastenden Visionen nicht schlafen kann (vgl. Szene 14).




Seine Hektik ist wahrscheinlich eine Folge davon, dass er ständig „zu viel denkt“ (vgl. S. 17) und eine innere Unruhe empfindet, die daher rühren kann, dass Woyzeck immerzu Geld nach Hause bringen muss, um seine Familie versorgen zu können. Hinter seiner Hektik sind also Gutmütigkeit und Aufopferungsbereitschaft verborgen. Woyzeck ist auch pessimistisch eingestellt, was sich zum Beispiel an seiner Aussage „ich glaub’, wenn wir in [den] Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen“ (S. 16) festmachen lässt. Er sagt damit, dass er mit der derzeitigen Situation unzufrieden ist und eine Verbesserung dieser nach dem Tod nicht sieht.

Sein Verhältnis zu anderen Charakteren im Drama ist dadurch gekennzeichnet, dass er zu höhergestellten Personen wie dem Hauptmann und dem Doktor in einer schlechten Beziehung steht, die in erster Linie auf Woyzecks finanzieller Abhängigkeit beruht.
Vom Tambourmajor wird er im Ringen bezwungen und lächerlich gemacht. Zu Marie hat er ein durchwachsenes Verhältnis, schließlich hat Woyzeck auf der einen Seite „sonst nichts auf der Welt“ (S. 22), was zeigt, dass ihm Marie wichtig ist, auf der anderen Seite schadet Marie ihrer Beziehung durch ihre Untreue erheblich. Zu ihm gleichgestellten Personen wie Karl, Christian und Andres verhält sich Woyzeck zwar auch eher distanziert, doch lässt sich ihr Verhältnis als gut bezeichnen.


Woyzeck befindet sich auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner miserablen Situation. Von seiner Freundin und Mutter seines unehelichen Sohnes betrogen, der Gesellschaft missbraucht und dem Tambourmajor, seinem Rivalen, verhöhnt, begeht er die Mordtat an Marie, die einer Verbesserung seiner Lebenssituation natürlich nicht dienlich ist. Die Tat zeigt die Verzweiflung Woyzecks im Drama.