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Montag, 4. April 2011

Über Herders "Abhandlung über den Ursprung der Sprache" / kurze Zusammenfassung

Hier für Euch eine kurze und einfach zu verstehende Zusammenfassung:

In seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ (veröffentlicht 1772) setzt sich der deutsche Dichter, Theologe und Philosoph Johann Gottfried Herder mit der Entstehung des menschlichen Sprechens auseinander.
Er beschäftigt sich in seiner Arbeit unter anderem mit zwei Sprachentstehungstheorien seiner Zeit, zum einen der Süßmilchs und zum anderen der Condillacs. Süßmilch ist von einem göttlichen Ursprung der Sprache überzeugt, da er davon ausgeht, dass der unvollkommene Mensch nicht dazu imstande gewesen sein kann, etwas derart Komplexes wie die Sprache zu entwickeln; der Mensch muss die von Gott erfundene Sprache stattdessen im göttlichen Unterricht erlernt haben. Herder schließt sich zunächst der These Condillacs an, der einen tierischen Ursprung der Sprache behauptet. Grund dafür sind für Herder die offenbar erstaunlichen Gemeinsamkeiten von Tieren und Menschen und ihr gemeinsamer Drang nach schallender Äußerung. So schreibt Herder in seiner Schrift „Kalligone“ später, dass jeder Schall „ein Inneres ausdrückt“.

Die Ursache dafür, dass sich Herder der These Süßmilchs nicht anschließen kann, sieht Herder in einer für ihn unlogischen Behauptung Süßmilchs. Wenn der Mensch durch seine Unvollkommenheit nicht in der Lage gewesen sein sollte, die Sprache zu erfinden, wie sollte er dann dazu fähig gewesen sein, diese Sprache im Unterricht zu erlernen, da schließlich die Sprache laut Süßmilch erst die Vernunft erweckt und ausbildet.Wie wäre der Mensch also ohne Sprache und damit ohne Vernunft eines göttlichen Unterrichts fähig gewesen? Für Herder ist die Entstehung der Sprache sttattdessen aus eigenen Mitteln der Menschen geschehen.



Er distanziert sich nun auch von Condillacs These, denn Herder sieht im menschlichen Verstand, der den Tieren fehlt, den zündenden Funken zur Entstehung der Sprache. Für Herder ist die menschliche Sprache mehr als das Zusammenwirken willkürlicher Schälle der Empfindung, wie es bei Tieren der Fall ist, woraus Herder schließt, dass die Sprache kaum einen tierischen Ursprung haben kann.
Er vergleicht die Größe der Wirkungskreise der Tiere und der Menschen und stellt fest, dass die kleine tierische Sphäre die Sprache unnötig macht. Dafür verfügen Tiere über einen stärkeren und sichereren Instinkt als Menschen; ihre Sinne sind schärfer, ihre Kunstwerke wunderbarer und einartiger (von gleichem Bau und gleicher Struktur, von derselben Art). Die Tiersprache entspricht nicht der Menschensprache, da selbst das am vielfachsten tönende Tier in einem Wirkungskreis, der einem eines Menschen entspräche, mit seiner Tiersprache nicht bestehen könnte. In seinem Lebensraum wird das Tier durch seine Instinkte geleitet. Menschengattung und Tiergattung unterscheiden sich laut Herder nicht in der Mannigfaltigkeit bestimmter Eigenschaften, sondern in ihrer von Grund auf unterschiedlichen Art. Beim Menschen ist gemäß Herders Aussage alles im Missverhältnis. Der Mensch verfügt über eher schwache Sinne, dafür aber vielfältige Bedürfnisse, geringe Kräfte, dafür einen umso größeren Wirkungskreis, in dem sich der Mensch zu behaupten weiß, eingeschränkte Organe und eine uneingeschränkte Sprachfähigkeit. Laut Herder benötigt der Mensch die Sprache als ein Ausgleich für den Mangel des Instinks.

Obendrein ist der Mensch durch seine Besonnenheit gekennzeichnet, durch die Fähigkeit zur Reflexion, die ihn zum einen vom Tier unterscheidet und zum anderen zu dem Erfinder der Sprache macht. Die Erfindung der Sprache aus eigenen Mitteln des Menschen ist nicht künstlich, stattdessen ist sie ebenso natürlich, wie der Mensch natürlich ist.




Herders Argumentation steht ganz im Zeichen der Tradition des Rationalismus und der Aufklärung und durchläuft verschiedene Stadien, die ihn zunächst zu Condillacs Sprachtheorie führt, die er später zu revidieren versteht, während er von Beginn an von der Unwahrheit Süßmilchs Theorie überzeugt zu sein scheint. Aus der Theorie Condillacs entsteht letztlich Herders eigene Sprachtheorie, die weder von einem göttlichen noch von einem tierischen Ursprung der Sprache ausgeht, sondern von der Spracherfindung durch den Menschen selbst.